Rückblick auf die Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“




Die Cafeteria des Städtischen Klinikums Dessau war am gestrigen späten Nachmittag sehr gut gefüllt – rund 60 interessierte Gäste, darunter auch Vertreter einer Guillain-Barré-Selbsthilfegruppe, folgten der Einladung zur Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“. Was sie erwartete, war ein Nachmittag voller Wissen und menschlicher Nähe.
Priv.-Doz. Dr. med. Sybille Spieker, Chefärztin der Klinik für Neurologie, sowie ihre Kollegen Oberarzt Dr. medic Navneet S. Rakwal und Oberarzt Dr. med. Thomas Stache führten mit beeindruckender Fachlichkeit und viel Empathie durch ein anspruchsvolles Themenfeld – von Guillain-Barré über Parkinson bis hin zum Schlaganfall.
Trotz der medizinischen Tiefe gelang es allen drei Referenten, ihre Inhalte verständlich, lebensnah und eingebettet in die Erfahrungen Betroffener und ihrer Angehörigen zu vermitteln. Viele Gäste zückten Notizblöcke – und selbst die Smartphones kamen häufig zum Einsatz, um Folien festzuhalten. Ein Zeichen dafür, wie wertvoll und greifbar die Informationen waren.
Parkinson – verständlich, nahbar, berührend
Chefärztin Dr. Spieker eröffnete den Nachmittag mit einem lebendigen Einblick in das Thema Parkinson. Mit klaren Worten, eindrücklichen Beispielen und viel Raum für Fragen holte sie auch medizinische Laien direkt ab.
„Haben Sie keine Scheu, Fragen zu stellen. Sie sind mit Ihren Sorgen nicht allein“, betonte sie – ein Satz, der spürbar wirkte. Als fast ein Viertel der Anwesenden die Hand hob, weil sie selbst oder im Familienkreis Erfahrung mit Parkinson haben, lag ein Moment echter Verbundenheit im Raum.
Dr. Spieker führte durch Symptome, Krankheitsverlauf (inklusive des heute gut belegten Ursprungs im Darm), Pathophysiologie und moderne Therapieansätze. Videos zu Gangveränderungen und Beispiele veränderter Handschriften machten das Erlebte greifbar. Immer wieder nickten Betroffene zustimmend – ein Zeichen dafür, wie nah der Vortrag an ihrer Lebenswirklichkeit war.
Schlaganfall – wenn jede Minute zählt
Im zweiten Vortrag widmete sich Oberarzt Dr. Thomas Stache einem Thema, das jährlich Millionen Menschen betrifft – und allein im Klinikum Dessau mehr als 700 Patienten: dem Schlaganfall.
Mit klaren Erläuterungen unterschied er Hirnblutung und Hirninfarkt, erklärte den Verlauf von Gefäßveränderungen und betonte eindringlich die Bedeutung von Symptomen wie halbseitigen Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen.
Die Botschaft war deutlich: Schlaganfall-Symptome erkennen. Sofort 112 rufen. Time is brain.
Der Blick hinter die Kulissen – von der Akutaufnahme über Stroke-CT/MRT, Notfalltherapien wie Lyse und Thrombektomie bis hin zur Stroke Unit – zeigte, wie eng verzahnt die Teams im Klinikum zusammenarbeiten, um Betroffenen schnell und umfassend zu helfen. Besonders wertvoll waren auch die Hinweise zur Prävention: Blutdruck, Bewegung, Ernährung – und die Bedeutung, verordnete Medikamente konsequent einzunehmen.
Guillain-Barré-Syndrom – selten, aber ernst zu nehmen
Zum Abschluss stellte Oberarzt Dr. medic Navneet S. Rakwal das seltene, aber nicht zu unterschätzende Guillain-Barré-Syndrom (GBS) vor. Im Städtischen Klinikum Dessau werden jährlich zwei bis drei Patienten mit dieser Autoimmunerkrankung behandelt.
Dr. Rakwal erklärte verständlich, wie fehlgeleitete Antikörper die Nerven angreifen, welche Symptome typisch sind – von aufsteigenden Lähmungen bis hin zu möglichen Störungen von Herz-, Atem- oder Kreislauffunktionen – und welche Therapieoptionen bestehen.
Immer wieder erhoben sich GBS-Betroffene und schilderten ihren Therapie- und Heilungsprozess. Zum Teil war dieser steinig und langwierig – aber letztlich erfolgreich.
Die zentrale Botschaft von Dr. Rakwal und den Betroffenen fand viel Applaus: Nicht aufgeben, dranbleiben und an die Genesung glauben.
Im Anschluss an die Vorträge konnten die Gäste noch mit den drei Ärzten individuelle Fragen im kleinen Kreis besprechen.
Eine Patientenakademie, die wirkt – und Mut macht
Das Format „Medizin am Mittwoch“ zeigte erneut, wie wichtig verständliche Medizin und ein respektvoller Austausch auf Augenhöhe sind. Viele Gäste nahmen nicht nur Wissen, sondern auch Zuversicht mit nach Hause. Und gleichzeitig wurde spürbar: Im Städtischen Klinikum Dessau steht Betroffenen moderne, umfassende und menschlich zugewandte neurologische Versorgung zur Seite.
Ausblick
Die nächste Patientenakademie findet am 4. März statt – erneut ab 16 Uhr in der Cafeteria des Klinikums. Thema diesmal: „Hilfe für die Hände – wieder Freude beim Zupacken“.
Mit Vorträgen zu Rhizarthrose („Das schmerzende Marmeladenglas“), „Haken, Schnappen, Springen – Was tun beim schnellenden Finger?“ sowie der Frage: „Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?“
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Erreichbarkeit der Klinik für Neurologie
Sekretariat (Erreichbarkeit Mo-Fr: 7:00 bis 15:00 Uhr)
Norman Scharr
Telefon: 0340 501-1473
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