OP-Roboter & Lasertherapie in der Urologie


Ein OP-Roboter mitten in der Cafeteria, mehr als 90 interessierte Besucher und zahlreiche Fragen an die Ärzte: Die jüngste Ausgabe der Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“ im Städtischen Klinikum Dessau stieß auf deutlich mehr Resonanz als erwartet. Unter dem Titel „Moderne OP-Verfahren in der Urologie“ ging es um roboterassistierte Eingriffe bei Erkrankungen der Prostata und der Niere sowie um moderne Laserverfahren bei gutartiger Prostatavergrößerung und Harnsteinen.
Für einen besonderen Aha- und Wow-Effekt sorgte bereits beim Betreten der Cafeteria das da Vinci-System für roboterassistierte Operationen. Die Firma Intuitive hatte eigens für die Veranstaltung ein solches OP-System im Klinikum aufgebaut. Damit blieb es an diesem Abend trotzdem nicht bei Bildern und Erklärungen auf der Leinwand: Nach den Vorträgen konnten die Besucher selbst an der Steuerkonsole Platz nehmen und ausprobieren, wie sich die Instrumente des Systems bewegen lassen. Der da Vinci des Klinikums selbst verblieb übrigens dort, wo er hingehört – im Operationssaal.
Vom klassischen Eingriff zur roboterassistierten Operation
Chefarzt Arturo Rivera Mejia nahm die Besucher zunächst mit auf eine kurze Reise durch die Entwicklung der Chirurgie – von den frühen Operationsmethoden bis hin zur heutigen roboterassistierten Medizin.
Dabei räumte er auch mit einem Missverständnis auf: Ein OP-Roboter operiert nicht selbstständig. Der Arzt führt die Operation durch und steuert die Instrumente des Systems von einer Konsole aus. Der Operateur erhält dabei unter anderem eine stark vergrößerte dreidimensionale Sicht auf das Operationsgebiet und kann die Instrumente sehr fein bewegen.
Wie wichtig diese Präzision sein kann, erläuterte Rivera am Beispiel von Operationen bei Prostatakrebs. Vorrangiges Ziel bleibt dabei immer, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen. Gleichzeitig versuchen die Operateure – soweit es die Erkrankung und die individuelle Situation des Patienten zulassen – angrenzende Strukturen möglichst zu schonen. Dazu gehören unter anderem Strukturen, die für die Blasenkontrolle und die Erektionsfähigkeit von Bedeutung sind.
Auch bei der Behandlung von Nierentumoren kann die roboterassistierte Chirurgie eingesetzt werden. Je nach Größe, Lage und Ausdehnung eines Tumors kann es möglich sein, lediglich den erkrankten Teil der Niere zu entfernen und gesundes Nierengewebe zu erhalten. Zusätzliche Verfahren wie dreidimensionale Bilddarstellungen, intraoperativer Ultraschall oder Fluoreszenzverfahren können den Operateur während des Eingriffs bei der Orientierung unterstützen.
Die roboterassistierte Chirurgie ist in der Dessauer Urologie inzwischen fest etabliert. Seit Einführung des Verfahrens wurden mehr als 500 urologische Eingriffe mit dem da Vinci-System durchgeführt.
Lasertherapie: Nicht jede vergrößerte Prostata muss operiert werden
Dass moderne Urologie jedoch weit mehr als Robotik umfasst, zeigte anschließend Oberarzt Pavel Kovelenov, Sektionsleiter urologische Laserchirurgie.
Er widmete sich der gutartigen Vergrößerung der Prostata – einer Erkrankung, die mit zunehmendem Alter bei vielen Männern auftritt. Eine wichtige Botschaft seines Vortrags: Eine vergrößerte Prostata bedeutet nicht automatisch, dass eine Operation notwendig ist. Entscheidend sind vielmehr die Beschwerden des Patienten und die Frage, ob beispielsweise Harnblase oder Nieren durch die Abflussbehinderung beeinträchtigt werden.
Ist ein operativer Eingriff erforderlich, stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung. Kovelenov stellte unter anderem die Laser-Enukleation vor. Dabei wird das Prostatagewebe, das die Harnröhre einengt, über die natürlichen Harnwege gelöst und entfernt. Ein äußerer Operationsschnitt ist dafür nicht erforderlich. Das Verfahren kann auch bei größeren Prostatae eingesetzt werden.
Harnsteine: Die Behandlung richtet sich nach dem Patienten
Oberarzt Dr. med. Paul Voigt zeigte schließlich, welche Rolle die moderne Lasertechnik bei der Behandlung von Harnsteinen spielt. Auch hier gibt es nicht das eine Verfahren für alle Patienten. Welche Therapie infrage kommt, hängt unter anderem von Größe, Lage und Beschaffenheit eines Steins, der Anatomie der Niere, möglichen Begleiterkrankungen und der Dringlichkeit der Behandlung ab.
Kleinere Steine können unter bestimmten Voraussetzungen zunächst beobachtet oder medikamentös behandelt werden. Ist ein Eingriff notwendig, können viele Harnsteine heute über die natürlichen Harnwege erreicht und mit einem Laser zerkleinert werden. Bei größeren Steinen kann ein kleiner Zugang durch die Flanke erforderlich sein.
Zeit für die Fragen der Besucher
Wie groß das Informationsbedürfnis war, zeigte sich spätestens nach dem letzten Vortrag. Mit dem Ende der Präsentationen war die Veranstaltung noch lange nicht vorbei. Die Ärzte nahmen sich viel Zeit für die individuellen Fragen der Teilnehmer. In kleinen Gesprächsrunden ging es um persönliche Befunde und Behandlungsmöglichkeiten.
Wer eine weitere urologische Abklärung wünschte, konnte vor Ort zudem die Möglichkeit nutzen, einen Termin in der Interdisziplinären Fachambulanz des Klinikums zu vereinbaren.
Und natürlich zog es viele Besucher noch einmal zum da Vinci-System. Unter Anleitung konnten sie selbst erleben, wie Bewegungen der Hände auf die Instrumente des OP-Systems übertragen werden. Für viele war es die erste Gelegenheit, die Technik, von der sonst meist nur im Zusammenhang mit einer Operation gesprochen wird, unmittelbar zu erleben.
So wurde aus „Medizin am Mittwoch“ diesmal mehr als ein klassischer Vortragsabend. Die Besucher konnten moderne Medizin nicht nur erklärt bekommen, sondern Technik selbst ausprobieren und ihre ganz persönlichen Fragen direkt mit den Ärzten besprechen.
Ein Nachmittag mit vielen Aha-Momenten – und einem Interesse, das auch nach der letzten Folie noch lange nicht beendet war.
Sie konnten nicht dabei sein, haben aber Fragen oder möchten einen Termin vereinbaren? Wir sind gerne für Sie da:
📞 Interdisziplinäre Fachambulanz: 0340 501-1280 | termine-ifa@klinikum-dessau.de




